Die ägyptischen Abenteuer von Kathryn Black - Verschollen in der Wüste

Verschollen in der Wüste

Übersetzt von Renate Warren

Ramses bereitet sich auf einen Besuch bei seinem Freund Nebre vor, dem Kommandanten eines Wüsten-Forts an der Grenze zu Libyen. Sinn der Reise soll sein, bei viel gutem Rotwein gemeinsam die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen.

Trotzdem klingeln bei Kate und Alex sofort die Alarmglocken. Wenn es nur ein reiner Freundschaftsbesuch ist – wieso besteht Ramses dann darauf, dass sie beide in Luxor bleiben? Und, mehr auf den Punkt gebracht – warum will Ramses einen großen Teil seiner riesigen Armee mitnehmen, wenn es doch zwischen Luxor und dem Fort nichts als Wüste gibt? Eine Wüste, in der Tod durch Verdursten mehr als wahrscheinlich ist? Rechtfertigt ein simpler Besuch bei einem Freund eine derartige Zurschaustellung von Stärke?

Kate und Alex haben nicht vergessen, dass Aryamani, Alex’ engster Verwandter aus der Vergangenheit, vor einigen Monaten Luxor verlassen hat, um eine Botschaft von Ramses zu überbringen. An wen, wissen sie nicht. Es ist aber wahrscheinlich, dass die Botschaft nie angekommen ist, denn seither hat kein Mensch je wieder etwas von Aryamani gehört oder gesehen. Auf Ramses’ Drängen hin war bald darauf Pharao Nachtifi mit einem Großteil seiner Truppen losgezogen, um nach Aryamani zu suchen. Doch auch von ihm hat nie wieder jemand etwas gehört oder gesehen.

Voraussichtliches Erscheinungsdatum: 2019

Ramses II in his chariot

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„Wo ist Ramses?“ Kairo hatte nur ausgesprochen, was Alex dachte.
Ramses und die Elitetruppen seiner Armee hätten vor ihnen sein sollen. Allein, es gab dort nichts als Sand soweit das Auge reichte. Das stimmte allerdings so auch wieder nicht. Etliche zwei Meter lange gehörnte Sandvipern mit muskulösen Armen und Beinen waren da. Ihre Körper glichen denen von gedopten Bodybuildern. Je eine von ihnen hatte sich an einer Seite des Wagens positioniert, beide hätten leicht Alex oder Kairo ergreifen können. Dass sie es bisher nicht getan hatten, hatte einen einfachen Grund: Sie hatten den Befehl dazu noch nicht erhalten. Zwei weitere dieser Kreaturen hielten die Pferde fest. Einige andere, wenn auch nicht viele, hatten den Wagen umringt und schauten wachsam in die Wüste. Nicht mehr als ein Dutzend stand direkt vor ihnen.
Alex rutschte auf dem Sitz auf die Seite, obwohl er damit der am nächsten stehenden Viper sehr nahekam. Ohne weitere Vorsichtsmaßnahme schaute er hinaus in die Wüste und warf dann den Blick nach hinten. Wo eigentlich Ramses und seine Fußsoldaten hätten sein sollen, Tausende von Fußsoldaten, und zudem jede Menge Wagen vollbepackt mit Versorgungsgütern, war nichts. Absolut nichts außer hellem Sand – bis an den Horizont. Wie konnte das sein? Sie hatten sich ungefähr in der Mitte der schnell vorwärts rückenden Armee befunden, gleich hinter dem Wagen mit dem königlichen Zelt, der wiederum direkt hinter Ramses’ eigener Kutsche gefahren war. Und jetzt waren sie allein in der Wüste, eingekreist von wenig mehr als zwei Dutzend Vipern in Menschenform.
„Verwirrt? Musst du ja sein. Ist doch ein sauberer Trick, findest du nicht?“ Die Stimme der Königin schien aus einer einzeln aus der Wüste aufragenden, hohen Felswand zu kommen. „Denk eine Weile darüber nach, lass dir Zeit. Besprecht es untereinander. Holt das Mädchen raus, sie soll dabei sein. Sie braucht frische Luft. Also wirklich, Alex, sie muss doch in dieser Kiste schon am Ersticken sein. Und ich dachte, du wärst ein Gentleman.“
„Was willst du von uns?“
„Von euch? Euch allen? Dass ihr sterbt, natürlich. Was könnte ich sonst wollen?“

Aus: Band 7, Verschollen in der Wüste, Kapitel 5